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Prof. Dr. Peter Vorderer
 
Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft
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Forschungs-interessen


 



Nach meinem Studium der Psychologie und der Soziologie habe ich mich vor allem mit medienpsychologischen Fragen beschäftigt und dabei insbesondere die unterhaltungsorientierte Rezeption und Wirkung unterschiedlicher Medieninhalte erforscht. Wohl auch, weil diese im Alltag vieler Menschen zwar eine zentrale Rolle spielen, in der Forschung aber (z.B. im Vergleich zu Fragen nach der Einstellungsbildung und -änderung durch Medien) lange Zeit vernachlässigt wurden: Warum wählen Menschen - manchmal ganz gezielt, ein anderes Mal scheinbar zufällig - medienbasierte Erlebniswelten aus, und welche Wirkungen hat diese Auswahl auf ihr Denken, Fühlen und Handeln?

Für die Beschreibung und Erklärung dieser Probleme stellen Kommunikationswissenschaft und Medienpsychologie bereits eine Reihe unterschiedlicher Theorien, Modelle und Ansätze zur Verfügung, die aber meist auf die spezifischen und sich permanent verändernden Fragestellungen angepasst werden müssen. So beobachten wir ja seit Jahren eine stetige, zuletzt sogar sprunghaft angestiegene Nutzung von Medien in nahezu allen Situationen des täglichen Lebens und suchen immer wieder eine Antwort auf die Frage, worum es den Nutzer/inne/n dabei geht. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen ein bestimmtes Medium nicht mehr singulär oder ausschließlich benutzen. Wir sprechen von „Multitasking" und meinen damit, dass viele Nutzer/innen während der Rezeption etwa eines Fernsehangebots gleichzeitig über Facebook mit ihren Freunden kommunizieren. Oder auch in einer sozialen Gesprächssituation ihre Aufmerksamkeit nicht mehr ausschließlich ihrem Kommunikationspartner zuwenden, sondern zwischen diesem und ihrem Smart Phone beinahe ständig hin und her wechseln.

Warum wir dies tun, was wir dabei erleben und ob diese veränderten Formen der nun beinahe permanent stattfindenden Mediennutzung Auswirkungen haben, zum Beispiel auf das Erleben und Bewerten eines Medieninhalts, auf unsere Einstellungen zu entsprechenden Themen, das Alles ist bisher noch fast gar nicht von der Kommunikationswissenschaft und Medienpsychologie verstanden und erklärt worden. Meines Erachtens stellt dies eine der größten Herausforderungen für unser Fach dar: Werden wir durch diese Form der Mediennutzung überhaupt noch ausreichend informiert oder nur noch unterhalten? Oder ist die Unterhaltung gar eine notwendige Bedingung dafür, dass wir uns überhaupt mit bestimmten, etwa politischen, abstrakten, komplizierten, schwer verständlichen Inhalten auseinandersetzen? Können wir noch aufgeklärte Bürger in einem Gemeinwesen sein, wenn wir uns nicht mehr der Mühe unterziehen, komplizierte Sachverhalte zu verstehen? Können wir uns mit anderen Menschen und auch mit uns fremden Kulturen verständigen, wenn wir uns nicht mehr darauf einlassen, dabei auch herausgefordert, enttäuscht, verunsichert und irritiert zu werden? Die gegenwärtige Medienentwicklung verändert die Art, wie Menschen im vielzitierten „Global Village" miteinander umgehen, und die Kommunikationswissenschaft muss meines Erachtens dazu beitragen, diese Veränderungen zu erklären, damit wir informiert damit umgehen können und wissen, warum wir etwas ganz Bestimmtes für die Zukunft wollen oder auch zu vermeiden suchen.