Universität Mannheim / PhilFak / Medien- und Kommunikationswissenschaft / Forschungsprojekt Gesetz und Gewalt im Kino




Prof. Dr. Angela Keppler

Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaft

Forschungsprojekt:
GESETZ UND GEWALT; mit Prof. Dr. Martin Seel im Rahmen des Exzellenzclusters Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt a.M.

 

  • Ziel des Projekts

    Die Darstellung von Gewalt war von Anfang an ein Leitmotiv des Kinos. In unterschiedlichen Genres nimmt diese sehr unterschiedliche Funktionen ein. Einen wichtigen Strang bildet in den Erzählungen des Kinos dabei seit jeher die Frage nach dem Recht der Gewalt und der Gewalt des Rechts. Viele Spielfilme, die von Akten, Ereignissen und Zuständen offener oder latenter Gewalt erzählen, stellen durch die Art ihrer Erzählung die Frage nach der Legitimität der sozialen Ordnungen, in denen Gewalt entsteht und vergeht. Sie handeln von der Intimität von Gesetz und Gewalt. Zu den klassischen Filmgenres, in denen der Zusammenhang und Gegensatz von Gesetz und Gewalt in immer neuen Varianten durchgespielt wird, gehören der Western, der Film Noir und seine Ableger im Polizeifilm, aber auch der Kriegsfilm, soweit er die Legitimität militärischer Operationen zum Thema macht.

    Ein weiteres zentrales Motiv ist die scheinbare oder tatsächliche Diffusion der Differenz von gesetzlicher und außergesetzlicher Gewalt im Innern rechtsstaatlich verfasster Gesellschaften. In allen diesen Beziehungen exponiert das Kino die Rolle des Gesetzes als eines instabilen, brüchigen oder nur vorgeblichen Schutzes vor sozialer Gewalt – und damit die Fragilität der normativen Ordnungen, die es jeweils repräsentiert.

  • Vorlesungsreihe Gesetz und Gewalt im Kino                                                          

    Im Rahmen des Projekts wurde die Vorlesungsreihe 'Gesetz und Gewalt im Kino' ins Leben gerufen. April 2015 startet die Fortsetzung der Reihe unter dem Titel 'Verbrechen und Strafe im Kino'. Diesmal geht es um die häufigste oder zumindest am meisten erwartete Reaktion auf die gewaltförmige Verletzung des Gesetzes: Dass einem Verbrechen eine Strafe folgen muss. Die Bestrafung scheint eine unbezweifelbare, selbstverständliche Norm in fast allen Gesellschaften der Vergangenheit und Gegenwart zu sein. Ausgewählte Filme werden diesbezüglich im Museum für Moderne Kunst vorgestellt und diskutiert (Programm siehe rechts stehenden Poster). Veranstalter der Vorlesungsreihe ist der Exzellenzcluster 'Die Herausbildung normativer Ordnungen' mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main; organisiert wird die Reihe von Prof. Dr. Klaus Günther, Prof. Dr. Angela Keppler und Prof. Dr. Martin Seel.


  • Forschungsprogramm & These

    Im Ausgang von exemplarischen Filmen der genannten Genres sowie deren Weiterleben nach ihrer klassischen Periode soll untersucht werden, wie die Verzahnung von Recht, Gesetz und Gewalt in ihrer künstlerischen Behandlung dramatisiert wird – und welches Licht diese auf idealisierende Prämissen und Prinzipien in traditionellen und aktuellen Theorien des Rechts und der Politik wirft. Die Untersuchung dieser Genres (und ihrer Verwandten) wird von der These geleitet, dass das Kino den Zusammenhang zwischen Gesetz und Gewalt in einer mehrfachen Perspektive imaginiert: Es erzählt ebenso von der Genese normativer Ordnungen aus Erfahrungen von Gewalt und Unrecht sowie von den unterschiedlichen Formen der Gewalt, wie sie mit der Einsetzung und/oder Durchsetzung dieser Ordnungen verbunden sind. Die Innenansichten aus dem Leben normativer Ordnungen sind dabei von einem Oszillieren zwischen Rechtfertigung und Infragestellung, Legitimation und De-Legitimation geprägt, das nur selten eindeutig aufgelöst wird. Diese ästhetische Reflexionsleistung des Kinos soll theoretisch fruchtbar gemacht werden für eine Untersuchung des dialektischen Zusammenhangs normativer Ordnungen mit der Gewalt, die sie oft vergeblich zu bändigen versuchen.


  • Literatur zum Thema
    Keppler, Angela: Mediale Gegenwart. Eine Theorie des Fernsehens am Beispiel der Darstellung von Gewalt, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2006.

    Keppler, Angela: Eine Travestie der Gewaltverhältnisse innerhalb und außerhalb des Kinos: Über Viva Maria!, in: Keppler, Angela/Popp, Judith-Frederike/Seel, Martin (Hg.): Gesetz und Gewalt im Kino, Frankfurt/M.: Campus Verlag, 2015, S. 249–257.

    Keppler, Angela: Das Gleiche ist nicht immer gleich. Gewaltdarstellungen in Film und Fernsehen, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung, Heft 1/2011. Herausgegeben vom Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt/M. und Basel: Stroemfeld Verlag, 2011, S. 50-67.

    Seel, Martin: Variationen über Kunst und Gewalt, in: ders.: Ästhetik des Erscheinens, München: Carl Hanser, 2000, S. 295-323.


    Seel, Martin: The Man Who Shot Liberty Valance oder Von der Undurchsichtigkeit normativen Wandels, erscheint in: Deines, S./Feige, D./Seel, M. (Hg.): Formen kulturellen Wandels, Bielefeld: transcript, 2012; vgl. Ch. Menke, Recht und Gewalt, Berlin 2011.


  • Kontakt
    Prof. Dr. Angela Keppler: keppler@uni-mannheim.de
  • Team
    Prof. Dr. Martin Seel (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)
    Prof. Dr. Angela Keppler (Universität Mannheim)
    Frederike Popp (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)

 


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