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MKWler on Tour


Wo – und vor allem wie – verbringen unsere MKWler ihre Auslandssemester? Hier erstatten sie in Wort und Bild Bericht und teilen mit Euch Interessantes und Komisches aus ihren Gastländern. Seht selbst!

Die Rubrik "MKWler on Tour" wird produziert von der MKW-Social-Media-Redaktion. Bist Du auch im Ausland und möchtest der MKW-Community Bericht erstatten? Melde Dich einfach unter MKW-SocialMedia@mailman.uni-mannheim.de!

MKWlerin Katharina Schwarzkopf in Raleigh, North Carolina (HWS 2013)

„One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.“ – Henry Miller

Meine Motivation, ein Semester im Ausland zu verbringen, fasst dieses Zitat des amerikanischen Autors Henry Miller gut zusammen. Ich erhoffte mir, aufgrund der Begegnungen mit internationalen Studierenden in den Kursen und außerhalb der Universität einen regen Austausch an Ansichten und Denkweisen, um mich selbst in meinen Anschauungen weiterzuentwickeln. So hat es mich im HWS 2013 nach Raleigh, North Carolina verschlagen.

Durch das gemischte Studentenwohnheim Alexander Hall (50% Internationals, 50% Amerikaner) habe ich schnell Kontakte zu Studierenden aus aller Welt, aber auch zu Einheimischen bekommen. Die Masterkurse, die ich an der North Carolina State University (NCSU) absolviert habe, haben geholfen mit weiteren Amerikanern ins Gespräch zu treten. Auch hatte ich die Möglichkeit, am Anfang des Semesters die Orientierung der neuen Graduate Students mitzumachen, sodass ich während meines Austauschsemesters zu der eingeschworenen Gemeinschaft der 1st Year Grad Students gehörte; die gesamte Fakultät hat mich sehr herzlich willkommen geheißen!

Das Kursangebot des kommunikationswissenschaftlichen Instituts der NCSU ist sehr breit gefächert. In der methodischen Ausrichtung sind sie sehr ähnlich zu der Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Mannheim aufgestellt. Es gibt qualitative sowie quantitative Methodenkurse, die besucht werden können. Mir kam besonders entgegen, dass es ebenfalls Seminare zu Public Relations gibt. Während der Bewerbungsphase musste ich bereits favorisierte Kurse angeben, die ich jedoch am Anfang des Semesters sehr leicht wechseln konnte und somit einen für mich optimalen Semesterplan zusammenstellen konnte; die Mitarbeiter der Fakultät waren stets sehr hilfreich und entgegenkommend. So habe ich während des Semesters an der NCSU ein Seminar in qualitative Forschungsmethoden und zur Krisenkommunikation sowie einen Englischkurs besucht. Die beiden kommunikationswissenschaftlichen Kurse waren im Vergleich zu den deutschen Pendants wesentlich anwendungsorientierter, obwohl sowohl Master- als auch PhD-Studierenden die Kurse besuchten. Die Theorie kam jedoch ebenfalls nicht zu kurz. Besonders im Methodenkurs wurde ein umfassender theoretischer Überblick gegeben. Für beide Kurse musste ich eine Studie (eine Fallstudie in Crisis Communication und eine qualitative Studie im Methodenkurs) verfassen. Schon anhand des Umfangs dieser Abschlussprüfung lässt sich ablesen, dass beide Kurse sehr arbeitsintensiv waren. Kursinhalte und Projekte sind jedoch aufeinander abgestimmt, sodass man die Prüfungen – trotz Reisen und Freizeit – mit ein wenig Disziplin beim Vorbereiten bestehen kann. Kleinere Assignments während des Semesters helfen sehr beim Zeitmanagement.

Ein Auslandssemester heißt meiner Meinung nach auch, Kontakte mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen zu knüpfen und, ganz wichtig, das Land kennenzulernen. Daher bin ich viel mit dort neugewonnen Freunden gereist. So bin ich von Raleigh aus nach Washington, D.C., Nashville, TN, und an die Ostküste nach Wilmington, NC, Charleston, SC, und Savannah, GA, gereist. Auch ein längerer Roadtrip nach New Orleans, LO, ist machbar, jedoch braucht man hier auf jeden Fall mindestens zwei Fahrer oder man fliegt. Das Country Music Mekka Nashville sollte auf jeden Fall besucht werden, da es dort nicht wie in normalen, amerikanischen Großstädten zugeht; aus jedem Restaurant, jeder Kneipe, jedem Kiosk und jedem Club ertönt Live-Musik, es herrscht eine lässige Atmosphäre. Charleston und Savannah sind im Vergleich dazu ganz anders: Eine südstaatliche, freundliche Atmosphäre strahlt jedem Besucher sofort entgegen. Bevor es nach Hause ging, waren meine letzten Abstecher Chicago und New York City. Beide Städte sind absolut sehenswert. Besonders NYC mit seiner pulsierenden Atmosphäre und der Vielfalt von Eindrücken hat mich beeindruckt! Es war ganz bestimmt nicht mein letzter Besuch im Big Apple.

In Raleigh selbst kann man gut weggehen; es gibt eine Reihe von Clubs, Kneipen und Restaurants. 

Generell verbringt man aber viel Zeit auf dem Campus. Hier gibt es neben den Dining Halls, in denen gewöhnlich gegessen wird, kleinere Cafés und Stores. Selber kochen ist auf dem Campus eher ungewöhnlich, da die Studierenden in die Dining Hall oder einen Food Court gehen, da sie am Anfang des Semesters einen Meal Plan wählen und man sich tatsächlich mit der Anzahl an Meals ein wenig überschätzt. Durch das viele Reisen ist man nicht immer auf dem Campus; außerdem wird das Essen am Ende doch etwas eintönig und man weicht auf andere Lokalitäten aus. 

Da das Essen im Vergleich zu den deutschen Speisen sehr fetthaltig ist, war es von Vorteil, dass das Campus-Fitnessstudio gegenüber von meinem Wohnheim lag. Das Vorurteil, dass amerikanische Studierenden in „Swetty Pants“ zum Unterricht kommen, stimmt für die Undergrads auf jeden Fall, da sie zunächst zum Unterricht und dann direkt in die Gym gehen; bei Masterstudierenden ist dies schon ungewöhnlicher. Auch wurde ich am Anfang von der Farbe „rot“ geradezu erschlagen (Unifarbe der NCSU ist rot), da eigentlich jeder Studierende gerade am Anfang NCSU-Pullover, -T-Shirts und -Hosen trägt. 


Alexander Hall


Typisch für die Südstaaten: Eine Plantage in der Nähe von New Orleans, LO


Times Square

Besonders die Sportteams tragen zur Uni-Identität bei. So habe ich während meines Auslandssemesters Footballspiele, Basketballspiele und Eishockeyspiele besucht. Insbesondere die Footballspiele sind Highlights, da alle Studierenden dem Wochenende entgegenfiebern, wenn man das Glück hatte, eine Freikarte, die verlost werden, zu bekommen. Ungefähr vier Stunden, bevor das Spiel losgeht, treffen sich die Studierenden zum „Tailgating“, d.h. auf riesigen Parkplätzen in der Nähe des Stadions werden kleinere Spiele gespielt und vorgetrunken. Es ist also das „Pregaming“ vor einem Footballspiel. Ich muss gestehen, dass Football nicht mein Lieblingssport ist: Es ist furchtbar langwierig, da es immer wieder zu Unterbrechungen aufgrund der Fernsehwerbung kommt. Dagegen fand ich Eishockey richtig spannend und gut! Die Energie, die die Jungs auf dem Eis hinlegen, ist einmalig!

Neben den Sportereignissen bilden andere Programmpunkte von verschiedenen Communities und Organisationen ein bunt gemischtes Rahmenprogramm zum Unialltag. Es wird also auf keinen Fall langweilig im Austauschsemester. Insbesondere da man immer neue Kontakte knüpft bzw. die bereits gemachten weiter verfolgt. 

Wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, kann ich mich nicht für ein Highlight entscheiden. Alle Erfahrungen waren einmalig und großartig: Ob Reisen, Studieren, in Raleigh feiern, zu einem Sportereignis gehen oder sich einfach mit neuen Freunden treffen, alles ist aufregend und spannend! Nur einen Aspekt habe ich die ganze Zeit während meines Auslandsaufenthalts als negativ empfunden: das schlechte öffentliche Transportnetz in den USA (außer New York City). Man braucht ein Auto, um die Reisen zu machen. Selbst ein Ausflug in die nächste Mall ist mit Wartezeit auf den Bus verbunden: Er fährt nämlich nur einmal die Stunde und verspätet sich eigentlich immer.

Dennoch kann ich ein Auslandssemester in Raleigh, North Carolina, absolut empfehlen! Ich würde mich immer wieder für diese Möglichkeit entscheiden!


Halbzeit eines Footballspiels

(Fotos: Katharina Schwarzkopf )