MKWler on Tour


Wo – und vor allem wie – verbringen unsere MKWler ihre Auslandssemester? Hier erstatten sie in Wort und Bild Bericht und teilen mit Euch Interessantes und Komisches aus ihren Gastländern. Seht selbst!

Die Rubrik "MKWler on Tour" wird produziert von der MKW-Social-Media-Redaktion. Bist Du auch im Ausland und möchtest der MKW-Community Bericht erstatten? Melde Dich einfach unter MKW-SocialMedia@mailman.uni-mannheim.de!

MKWlerin Britta Stracke in Norwegen (HWS 2013)

Ein Auslandssemester in der zweitgrößten Stadt Norwegens und der regenreichsten Europas? Aber sicher! Denn trotz des Regens oder auch gerade deshalb versprüht Bergen einen außergewöhnlichen Charme! Nicht nur kulturell (zahlreiche Bars mit Live Musik, Konzerte und Museen) hat die Geburtsstadt des Komponisten Edvard Grieg viel zu bieten, sondern auch Naturliebhaber kommen zwischen dem aufregenden Treiben des Fischmarkts und der unberührten Natur auf den die Stadt umgebenen sieben Bergen voll und ganz auf ihre Kosten. Deshalb war die University of Bergen für mich als eingefleischtes Landei meine erste Wahl. 

Wenn sich die Sonne denn mal blicken lässt oder es auch einfach mal nicht regnet, kann man schnell nach der Uni noch eine kleine Wandertour auf Ulriken, Løvstakken oder Lyderhorn unternehmen und von dort die Aussicht auf die Stadt und den Fjord in voller Stille genießen. Ein absoluter Pluspunkt, denn man muss nicht erst große Reisen auf sich nehmen, um die vielfältige Flora und Fauna Norwegens bewundern zu können.


(Foto: Britta Stracke)

Man sollte jedoch darauf achten, nicht auf dem Berg zu sein, wenn es schon dunkel ist bzw., wenn es in Strömen regnet, denn das tut dem Steißbein mitunter gar nicht gut. So können aus einer „kleinen“ Wandertour auch mal locker sechs Stündchen werden. 

Untergekommen bin ich zusammen mit einer Kolumbianerin in einer 2er WG in Fantoft – der Hochburg für Auslandsstudenten aus aller Welt, aber hauptsächlich deutsche und spanische. Für die Miete könnte man meinen, dass einen ein pures Luxusapartment erwartet. Falsch gedacht, denn wir reden hier von Norwegen ;-) So war der im 70er Jahre Stil gehaltene Plattenbau äußerst spartanisch eingerichtet: Bettwäsche, Töpfe und Geschirr müssen zumindest im zweier Apartment noch gekauft werden. Aber auch das stellt kein Problem dar, denn kostenlose Shuttle Busse ermöglichten eine kleine Reise zu IKEA, wodurch man sein Zimmer je nach Belieben aufstocken konnte. Bilder aus Reisezeitschriften eignen sich natürlich auch sehr gut als Wanddekoration und sind zudem noch kostengünstig, da diese bei der Touristeninformation kostenlos ausliegen. In Fantoft herrscht immer reges Treiben, sodass einem eigentlich nie langweilig wird. Um Bewegungsmangel entgegenzuwirken, kann man für ca. 110 € pro Semester eine Mitgliedschaft für die Fitnesscenters der Universität erwerben, von denen eines direkt gegenüber des Wohnheims Fantoft liegt, in dem zahlreiche Spinning- und Fitnesskurse angeboten wurden. Auch die Veranstaltungen im „Klubb Fantoft“ bieten Abwechslung zum schnöden Unialltag. Bei regelmäßigen Quiznights, Tanz- sowie Filmabenden hatte man immer wieder Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen oder auch einfach nur im Klubb bei einer Runde Kicker oder Billard zu entspannen.  Jeden Freitag wurden hier  Partys veranstaltet, die habe ich allerdings nicht sehr oft besucht. Nach einem – wie die Norweger es nennen - „Vorspiel“ (Ja, richtig gehört. Bei uns auch besser unter „Vortrinken“ bekannt) haben wir meistens die Bybanen ins Zentrum genommen und dort diverse Bars und Clubs besucht (Hulen, Kvarteret, The Scotsman, tidi etc. etc.).

Was das Studium an der Gasthochschule angeht, kann ich festhalten, dass alles sehr organisiert abgelaufen ist und es keine Probleme gab. Zahlreiche Einführungsveranstaltungen zu Beginn des Auslandssemesters sowie Informationsbroschüren sorgten für einen guten Überblick über das universitäre Leben. Bei offenen Fragen konnte man sich aber auch jederzeit an die generell sehr hilfsbereiten norwegischen Kommilitonen oder Angestellten der Universität wenden. Auch die Informationsstelle im Social Science Building bot stets Hilfe bei kritischen Fragen. 

Ich habe während meines Auslandssemesters drei Kurse besucht: Democratic Culture (MEVI 347), Methods 5 (PSYK 353) und Norwegian Language and Culture for Foreign Language Students, level 1 (NOR-U 1). Alle drei Kurse waren interessant und haben sich gelohnt. Erwähnenswert erscheint mir, dass die Vorlesungszeiten für die einzelnen Kurse nicht durchgehend waren. Es gab bei manchen Kursen Vorlesungspausen, in denen man Projekte vorbereitete, aber dennoch genügend Zeit zum Reisen hatte. ERASMUS-Studierenden wird angeboten, sich für einen norwegischen Sprachkurs anzumelden. Ich habe den Kurs NOR-U1 besucht und hatte keinerlei Vorkenntnisse. Dennoch bin ich wunderbar in dem Kurs zurechtgekommen. Kann mich aber aufgrund der diversen norwegischen Dialekte nicht unbedingt gut verständigen. ;-) Die Professoren waren alle sehr nett und freundlich. Allgemein ist mir aufgefallen, dass Professoren und Studenten auf einer sehr viel persönlicheren Ebene (Ansprache mit Vornamen) miteinander interagieren. Die Prüfungsmodalitäten waren für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Sowohl für den Kurs Methods 5 und Democratic Culture hatte ich ein Take Home Exam, bei dem wir mehrere Tage Zeit zur Bearbeitung einer bestimmten Aufgaben-/Fragestellung hatten. Aber auch das ließ sich wunderbar meistern und man hatte genügend Zeit, um die Aufgaben zu bewältigen.  

Aber nun zum Reisen! Die erste Reise hinaus aus Bergen ging mit Wohnmobil und Freunden im Schlepptau zum Lysefjord, wo wir unter anderem den Preikestolen bestiegen und uns beim Angeln versuchten (leider ohne Erfolg, warum auch immer ;-)). Ein paar Wochen später machten wir uns auf nach Odda, um uns der nächsten Herausforderung zu stellen. Eine 11km lange Wanderung hin zur „Trolltunga“. Beim schönsten Wetter haben wir zu zehnt die 9-stündige Wanderung (inkl. einer Stunde Pause) angetreten, die mit ca. 2500 Stufen beginnt. Die imposant felsige Landschaft, Seen und Aussicht auf schneebedeckte Berge waren diese Anstrengung natürlich absolut wert. 


(Foto: Mona Ufer)

Der nächste Ausflug sollte dann ein Wochenendausflug werden, noch einmal zum Lysefjord, um nicht nur den Preikestolen zu besteigen, sondern auch den Kjerag. Allerdings hatten wir bei diesem Ausflug nicht so viel Glück mit dem Wetter. Bei dichtestem Nebel bestiegen wir den Preikestolen und versuchten anschließend ein Zelt bei Nieselregen aufzubauen. Da sich das im Halbdunkeln allerdings als eher schwieriges Unterfangen herausstellte, waren wir sehr froh, eine recht günstige Hütte für die Nacht zu finden. Der Nebel hielt allerdings auch am nächsten Tag noch an, weshalb uns nahegelegt wurde, unsere Reise zum Kjerag nicht fortzusetzen und stattdessen lieber einen Ausflug nach Stavanger zu unternehmen – ein gemütliches kleines Städtchen, welches bei Sonnenschein bestimmt sehr schön ist. 


Zwei unterschiedliche Aussichten auf dem Weg zum Preikestolen (Foto, rechts: Felicia Vogginger; Foto, links: Britta Stracke)

Aber nicht nur der Lysefjord ist einen Ausflug wert. Auch die Region um den Hardangerfjord ist bei schönem Wetter besonders attraktiv:


(Foto: Britta Stracke)

Die letzte große Reise ging dann im Dezember nach Tromsö, um endlich die langersehnten Polarlichter zu sehen. Aber wie das manchmal mit Naturschauspielen so ist, zeigen diese sich nicht auf Knopfdruck. Dennoch war der Aufenthalt hier fantastisch. Einmal wie die Samen in einem Zelt schlafen, Rentiersuppe essen und eine Huskyschlittentour unternehmen waren den Besuch absolut wert! 



Wenn ich zu diesem Land nach meiner besten Erfahrung gefragt werde, kann ich keine wählen, denn ich hatte einfach zu viele. Und eine richtig schlechte Erfahrung hab ich in dem Land der Wikinger nur eine gemacht: Einmal falsch parken ohne Ticket kann nämlich locker 100 € kosten, wie ich schmerzlich erfahren musste ;-) 
Die skurrilste Erfahrung war sicherlich die, dass die Norweger ziemlich stolz auf ihre Erfindung des Käsemessers sind und es ihnen anscheinend unmöglich erscheint, ein Stück Hartkäse ohne dieses zu schneiden. 
Alles in allem kann ich einen Auslandsaufenthalt in Bergen nur empfehlen! Also, Gummistiefel und Regenjacke einpacken und los geht’s!