MKWler on Tour


Wo – und vor allem wie – verbringen unsere MKWler ihre Auslandssemester? Hier erstatten sie in Wort und Bild Bericht und teilen mit Euch Interessantes und Komisches aus ihren Gastländern. Seht selbst!

Die Rubrik "MKWler on Tour" wird produziert von der MKW-Social-Media-Redaktion. Bist Du auch im Ausland und möchtest der MKW-Community Bericht erstatten? Melde Dich einfach unter MKW-SocialMedia@mailman.uni-mannheim.de!

MKWlerin Anna Goetsch in New Haven, Connecticut -USA  (HWS 2013)


(Foto: Anna Goetsch)

Ich habe mein Auslandssemester in New Haven, Connecticut in den USA verbracht. Im HWS 2013 habe ich den American Way oft Life näher kennengelernt. New Haven ist eine Stadt an der Ostküste der USA und eine der größten Städte in Connecticut. Manche kennen New Haven vielleicht durch Yale, eine der Eliteunis, die fast du ganze Innenstadt einnimmt. Ich habe mein Auslandssemester aber an der Southern Connecticut State University (SCSU) verbracht, die etwas außerhalb der Innenstadt liegt und eine dieser typischen Campusunis ist, die man aus so vielen Filmen kennt. 

Meinen Platz habe ich durch das Landesprogramm Connecticut bekommen. Dafür musste ich mich zuerst hier in Mannheim für das Programm bewerben, wurde dann für ein Gespräch eingeladen bevor ich dieselben Unterlagen noch einmal auf Englisch abgeben musste. Diese wurden dann in die USA geschickt, wo die Unis zugeteilt wurden. Im Januar kam dann endlich die frohe Botschaft! Es geht an die SCSU. Meine erste Priorität. Insgesamt hat die ganze Bewerbungsphase vier Monate gedauert, da zwischen Abgabe der Bewerbung und dem Gespräch viel Zeit vergangen ist. Außerdem muss man noch etwas Zeit zum Schreiben der Bewerbung und der Recherche nach der passenden Uni einplanen.

Ein Auslandssemester in den USA erfordert einiges an Organisation, da man nicht nur ein Visum braucht, sondern sich auch von Deutschland aus für Kurse anmelden, für das Wohnheim bewerben und sich entscheiden muss, ob man einen Mealplan möchte oder nicht. Dieser erlaubt einem in der Mensa und im Student Center zu essen.  Ein Mealplan ist teuer, aber manchmal unumgehbar, da es auch Wohnheime ohne Küche gibt. Da mein Wohnheim jedem Apartment eine Küche bot, habe ich mich gegen den Mealplan entschieden. Trotzdem war auch selbst kochen nicht gerade billig, weil viele, vor allem gesunde Lebensmittel unerwartet teuer waren. Aber das soll niemanden abschrecken. Ich musste weder jeden Tag Hamburger essen, noch bin ich verhungert. Es ist eben etwas anders als zuhause, aber daran gewöhnt man sich sehr schnell. Und das klassische Studentenessen Nudeln mit Pesto gibt es auch in den USA.

Wie angedeutet habe ich mich für das Leben on-campus in einem der Wohnheime entschieden. Ich habe das bewusst gemacht, weil ich die ultimative College Erfahrung machen wollte – das Zimmer mit einem anderen Mädchen teilen (roommate). Ich hatte am Anfang etwas Angst. Immerhin teilt man für einige Monate alles mit dieser Person. Angst hätte ich nicht haben müssen. Es war nicht so schlimm wie ich gedacht habe, auch wenn mein Roommate und ich nie die besten Freunde geworden sind. Aber das liegt eher daran, dass wir zu verschieden sind. Insgesamt haben in meinem Apartment vier Leute gewohnt und immer zwei hatten ihr eigenes Bad. Das Leben im Wohnheim war lustig, weil alle anderen Austauschstudenten im selben Stockwerk gewohnt haben und wir uns oft abends getroffen haben. Außerdem gibt es auf jedem Stockwerk zwei Resident Advisors (eine Art studentische Aufsichtsperson, die es auf jedem Stockwerk gibt), die nicht nur darauf achten, dass wir uns an die Regeln halten (Ruhezeiten, Alkohol muss vorher angemeldet werden,…), sondern auch immer wieder lustige Veranstaltungen organisieren.

Auch an der Uni wird einem viel geboten. Langsam weiß ich auch, wohin die hohen Studiengebühren fließen. Es gibt ein eigenes Kino, in dem regelmäßig Filme gezeigt werden. Außerdem gibt es viele andere Veranstaltungen, wie Discos, Gastvorträge und Sportveranstaltungen. Das Tailgating vor den Football-Spielen darf man auf keinen Fall verpassen. Dort gibt es immer was zu essen und man freut sich gemeinsam auf das kommende Fußballspiel. Oft gibt es auch eine Band oder einen DJ. Insgesamt eine ausgelassene kleine Party bevor das eigentliche Spiel los geht.  Außerdem gibt es zahlreiche Sportanlagen, die man benutzen kann, wenn die unieigenen Teams gerade nicht trainieren. Ich habe zudem ein Abo für das Fitness Center gekauft ($60), das mir erlaubte nicht nur die Geräte zu benutzen, sondern auch an Kursen, wie Yoga teilzunehmen. Das Fitness-Center ist sehr sauber und es gibt eine große Auswahl an Geräten. Für kleine Pausen zwischen dem Lernen perfekt. 

Denn in den USA ist das Studentenleben nicht immer so entspannt wie in Deutschland. Man muss damit rechnen, dass man jede Woche Hausaufgaben machen muss und mehrere Kapitel lesen muss. Außerdem gibt es sogenannte Midterms, Klausuren in der Mitte des Semesters. Ich habe in meinem Geschichtskurs insgesamt sogar vier Klausuren geschrieben. Die Professoren sind aber alle sehr nett und unterstützen ihre Studenten, wo sie nur können. Ich konnte mit meinen Fragen jederzeit zu meinen Professoren gehen und sie haben sich Zeit genommen mir zu helfen.  Da ich in Mannheim schon fast alle meine MKW- Kurse belegt habe, habe ich in den USA nur ein Hauptseminar belegt, dass sich mit Filmmusik beschäftigt hat. Ein genaues Äquivalent für MKW gibt es an der SCSU nicht, aber es werden sowohl Media Studies als auch Communication Studies angeboten. Die Professoren im Media Studies Department, in dem ich war, waren alle sehr nett und hilfsbereit. Da es keinen passenden Kurs gab, habe ich eine Independent Study gemacht, also eine kleine eigene Forschungsarbeit unabhängig eines Kurses. Einmal in der Woche habe ich mich mit meinem Professor getroffen und die Fortschritte diskutiert. 

New Haven ist eine hübsche kleine Küstenstadt mit 129.000 Einwohnern. Es gibt drei State Parks, die man auf jeden Fall besuchen sollte. Vor allem East Rock ist wunderschön und im Sommer kann man dort Kanu fahren. West Rock ist ein „Berg“ in der Nähe der Uni, von wo man die ganze Stadt überblicken kann. Ansonsten sollte man einmal an den Strand und eine Yale Tour machen. Außerdem gibt es noch ein Kunstmuseum und ein naturhistorisches Museum, die einen Besuch wert sind. New Haven gehört angeblich zu den gefährlichsten und ärmsten Städten der USA. Letzteres wird sehr deutlich, da es viele Obdachlose gibt. Ich habe mich aber zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Trotzdem sollte man im Dunkeln als Mädchen nicht alleine um die Häuser streifen. In einer Gruppe ist das alles aber gar kein Problem und Taxis bringen einen nachts sicher nach Hause, wenn die Busse und das unieigene Shuttle nicht mehr fahren. Das Nachtleben in New Haven ist nicht groß, aber wenn man über 21 ist, gibt es genügend Clubs und Bars, die man besuchen kann. Danach gibt es einen Snack bei Louis‘ Lunch, wo angeblich der Hamburger erfunden wurde. 

Wenn man in New Haven ist, sollte man eines tun: REISEN! Mit dem Zug sind es knapp 2 Stunden nach New York City und etwas mehr als 3 nach Boston. Beide Städte sind wundervoll und auf jeden Fall einen Besuch wert. Mit dem Mietwagen ist man schnell in Vermont, wo man im Oktober den Indian Summer erleben sollte. Wirklich wunderschön! Auch nach Washington ist es nicht allzu weit und natürlich sollte man sich in Connecticut ein wenig umschauen. Die Hauptstadt Hartford lohnt einen Besuch, ebenso wie Mystic. Außerdem kann man nach Cape Cod in Massachusetts fahren und ein paar schöne Tage am Meer verbringen und Wale beobachten kann. Ein unvergessliches Erlebnis!

Meine Zeit in den USA wird mir für immer in Erinnerung bleiben! Ich kann ein Auslandssemester wirklich nur weiterempfehlen und bin sehr glücklich, dass ich das letzte Semester in New Haven verbringen durfte!

„It was awesome!“, wie der Amerikaner sagen würde ;)


(Foto: Anna Goetsch)

Anna Goetsch, 5. Semester B.A. Medien- und Kommunikationswissenschaft


(Foto: Anna Goetsch)