MKWler on Tour


Wo – und vor allem wie – verbringen unsere MKWler ihre Auslandssemester? Hier erstatten sie in Wort und Bild Bericht und teilen mit Euch Interessantes und Komisches aus ihren Gastländern. Seht selbst!

Die Rubrik "MKWler on Tour" wird produziert von der MKW-Social-Media-Redaktion. Bist Du auch im Ausland und möchtest der MKW-Community Bericht erstatten? Melde Dich einfach unter mkw-online@mailman.uni-mannheim.de!

MKWlerin Jenny Phung in Shanghai, China (HWS 2011)

Shanghai 1

"Weshalb ich mich als MKW-Bachelor für ein Auslandsjahr in China entschieden habe? Für mich hat das 'K' in 'MKW' eine besonders große Bedeutung, in Zukunft wird meiner Meinung nach globale Kommunikation immer wichtiger und neben Englisch als Lingua Franca spricht nun mal jeder fünfte Mensch auf der Erde Chinesisch. Also beschloss ich, als so genannter 'Freemover' nach Shanghai zu gehen und Mandarin zu lernen. Dafür unterbreche ich mein Bachelorstudium und schiebe ein Sprachenjahr zwischen mein viertes und fünftes Fachsemester.

Shanghai ist eine riesige Metropole, die größte Hafenstadt der Welt und die teuerste Stadt Chinas (dennoch sind die Lebenshaltungskosten deutlich geringer als in Deutschland). Sie ist eine Stadt im Umbruch und hat zwei Gesichter. Auf den ersten Blick ist sie ein Wirtschaftszentrum mit enormen Hochhäusern, die Büroflächen für die großen Firmen dieser Welt bieten, und mehrstöckigen Shopping-Centern, in denen neben chinesischen fast alle westlichen Marken vertreten sind. Nicht selten trifft man dann in einem Viertel um die Ecke auf kleine chinesische Wohngebiete, mit windschiefen Häuschen, Markthallen mit frischem Gemüse, Fleisch und lebendigem Fisch und Meeresfrüchten und winzigen Garküchen, in denen kulinarische Spezialitäten dargeboten werden. Unbedingt probieren!

Shanghai 2

"Mein Zimmer würde ich als puren Luxus beschreiben"

Das Gelände der Jiaotong-Universität ist aufgeteilt: Der größte, schönere namens "Minhang Campus" befindet sich am Stadtrand (sehr weit abgelegen, ca. eine halbe bis ganze Stunde Busfahrt!), und mittendrin im pulsierenden Stadtleben ist der ältere Campus, der "Xuhui Campus". Glücklicherweise wird der Chinesisch-Unterricht dort abgehalten, und ich wohne nun in einem Dorm direkt auf dem Campus. Hier teile ich mir ein Zimmer mit einer 19-jährigen Schwedin, die ebenfalls Chinesisch lernt. (Es ist etwa 30cm² groß, und ich würde es als puren Luxus beschreiben, normalerweise teilen sich chinesische Studenten ein Zimmer dieser Größe zu viert, mit Schreibtischen unter ihren Hochbetten.)

Shanghai 3In dem Dorm, in dem ich untergebracht bin, gibt es auf jedem Flur ein gemeinsames Badezimmer, nach Geschlechtern getrennt, das jeden Tag sehr sauber geputzt wird. Da es leider keine Küche gibt, gehe ich jeden Tag mit einigen meiner zahlreichen Mitbewohner in Restaurants. Klingt teuer und umständlich, hat aber nur Vorteile, da ein reichhaltiges Abendessen für etwa 2 EUR erhältlich ist und der Einkauf der Lebensmittel und die anschließende Zubereitung nicht viel günstiger kämen. Abgesehen davon bietet die zentrale Lage des "Xuhui Campus" Zugang zu vielen Restaurants, so dass es an Abwechslung nicht mangelt. (Da China so groß ist, hält die Küche der vielen Regionen völlig unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Zubereitungen bereit.) Und nur 10 bis 15 Minuten Fahrt entfernt liegt der interessanteste Stadtteil, das französische Viertel (der Name und auch die Architektur stammen noch aus der Zeit der europäischen Besatzung Shanghais) und die Stadtmitte, eine weiträumige Prachtstraße, die von hell erleuchteten Geschäften gesäumt und hinunter an den Pu-Fluss führt.

Studenten aus aller Welt besuchen den Chinesisch-Unterricht, der in verschiedenen Klassen mit etwa 20 Personen auf verschiedenen Leveln abgehalten wird. Für mich im "Intermediate Level" gibt es Hörverstehen, Sprechen, Komposition, Lesen und Literatur. Von Montag bis Freitag werden entweder morgens oder nachmittags vier Stunden Unterricht angeboten, zu jedem Fach gibt es einen Text, neue Vokabeln, Grammatik und Redewendungen. Nach traditionellem chinesischem Stil werden die neuen Wörter erklärt, gemeinsam laut vorgelesen und danach wird der Text je nach Unterrichtsfach bearbeitet. Im Hörverstehen wird der Text von einer Kassette vorgelesen, in Literatur liest ihn sich jeder für sich selbst durch etc. Nach ein paar Wochen kennen die Professoren ihre Schüler beim Namen (hat man noch keinen chinesischen Namen, kann man sich einen geben lassen).

"Sobald man 3.000 Zeichen kennt, kann man eine Zeitung lesen"

Shanghai 4Das Schwierige am Chinesischen sind die Schriftzeichen und ihre Aussprache. Die Zeichen bestehen aus verschiedenen Komponenten, Radikale genannt, bspw. 'Holz', deren Zeichen dann auf Gegenstände mit Holz (wie Stühle oder Tische) verweisen. Insgesamt gibt es 214 Radikale. So weit so gut. Nun muss man sich die Aussprache dazu merken, die man anhand anderer Komponenten, deren Aussprache sich in einem bestimmten Rahmen befindet, ablesen kann. Manchmal besteht diese Verbindung jedoch nicht. Sobald man etwa 3.000 Zeichen, also Schreibweise, Aussprache und Bedeutung, kennt, kann man eine Zeitung lesen.

Neben dem Erlernen der Sprache bietet die Jiaotong-Universität auch kulturelle Kurse, die man belegen kann. Chinesische Malerei, Kalligraphie, Shanghainesisch (das sich im Übrigen völlig vom Mandarin unterscheidet), Taijiquan und Martial Arts. Ich habe dieses Semester Shaolin Martial Arts (少林武术, shaolinwushu) belegt und nach fünf Unterrichtsstunden kann ich schon die Grundübung, das Wubuquan, die fünf Schritte mit Fausthieb.

Über Freizeitmöglichkeiten braucht man sich in Shanghai keine Gedanken machen, es gibt alles, was das Herz begehrt – Shopping, Sport, Kultur und Geschichte, Musik und Kunst, Reisen, Restaurants und Cafés, Nachtleben und besonders: Karaoke am Abend, die Lieblingsbeschäftigung der Chinesen! In privaten, schalldichten Räumen kann man mit seinen Freunden lauthals singen, DAS Würfelspiel spielen und sich Getränke, Essen und Snacks bringen lassen.

Mein generelles Fazit? Absolut empfehlenswert! Die Jiaotong-Universität in Shanghai ist eine sehr gute Lehreinrichtung und das Leben in Shanghai eine tolle Erfahrung, die man machen muss!"

Jenny Phung absolviert das Bachelor-Programm MKW und befindet sich derzeit zwischem dem vierten und fünften Semester.