Neues aus der MKW


 

MKW-Professor Hartmut Wessler plädiert in New York City gegen Kürzungen beim öffentlichen Rundfunk in den USA

Der öffentliche Rundfunk in den USA – also der Fernsehsender Public Broadcasting Service (PBS) sowie das Hörfunknetzwerk National Public Radio (NPR) – sind von tiefgreifenden Veränderungen bedroht. Der Kongress, das US-Parlament, berät derzeit über Pläne, die staatliche Unterstützung für beide Einrichtungen komplett zu streichen. Gerade in Zeiten, in denen die journalistische Qualität der größtenteils kommerziell organisierten US-Medien immer stärker in die Kritik gerät, werfen diese Kürzungspläne viele Fragen auf. Vor diesem Hintergrund präsentierten die amerikanischen Kommunikationswissenschaftler Rodney Benson und Matthew Powers an der New York University (NYU) eine umfangreiche Studie, in der sie die Rolle des öffentlichen Rundfunks in vierzehn Ländern untersuchen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass öffentlicher Rundfunk eine entscheidende Rolle in der Gewährleistung hochwertigen Journalismus und kritischer, niveauvoller Debatte spielt.

MKW-Professor Hartmut Wessler, der im Rahmen eines Forschungssemester derzeit als Gastwissenschaftler an der NYU tätig ist, berichtete anlässlich der Vorstellung der Studie am 15. Januar von den Erfahrungen mit öffentlich-rechtlichem Rundfunk in Deutschland. So verwies er in seiner Präsention auf die hohe Qualität der öffentlichen-rechtlichen investigativen Fernsehmagazine wie Monitor oder Panorama (beide ARD) und ihre wichtige Rolle in der kritischen Beobachtung von Regierenden und beim Aufdecken von Missständen. Gleichzeitig präsentierte er erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes, in dem er gemeinsam mit MKW-Mitarbeiter Eike Rinke und Studierenden des MKW-Masterstudiengangs Diskurskulturen in Deutschland und den USA untersuchte. Im Vergleich mit kommerziellen Sendern stellten sich öffentliche Sender dabei als Garanten echter, auf Argumenten gestützter Debatte – also eines Grundbausteins demokratischer Kultur – heraus.

Prof. Dr. Wessler, der noch bis September in New York City leben und forschen wird, wies in seiner Response auch darauf hin, dass angesichts der aktuellen Entwicklungen eine Überarbeitung gängigen Lehrbuchwissens über das US-Mediensystem notwendig sei. Galten die USA bisher als Hort des internen Pluralismus – also der Berücksichtigung verschiedener politischer Positionen durch ein und dasselbe Medium – und eines ausgewogenen Journalismus, würden sich heutzutage insbesondere europäische Beobachter die Augen reiben angesichts der starken Polarisierung einiger US-Medien (z.B. Fox News) und des zunehmend lauter werdenden Meinungsjournalismus.

Informationen über die genannte Studie sowie die Response von Prof. Dr. Wessler können über die folgenden Links abgerufen werden:

link.jpg   Die Studie von Benson und Powers im Volltext
link.jpg   Die Response von Prof. Dr. Wessler im Volltext


-ma

 

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