Tobias Steiner

Historiografie mal anders? Verhandlung von Geschichte in fiktionalen US-Fernsehformaten von den 1940ern bis heute

Beginnend mit der Popularisierung und breiten Verfügbarmachung des Fernsehens in den späten 1940ern wurde Fernsehen aktiv eingesetzt, um Geschichte auf vielfältige Art zu transportieren und zu mediatisieren. Von Nachrichtensendungen zur Krönung von Königin Elizabeth II. im Jahre 1952 bis hin zur Sammlung kollektiv-traumatischer Events wie der Ermordung John F. Kennedys oder der Anschläge von 9/11, die sich mittels Fernsehbildern in das kulturelle Unterbewusstsein einer ganzen Nation einbrannten - all diese Ereignisse entwickelten sich im anglo-amerikanischen Kulturraum von Nachrichtenmeldungen hin zu dem, was Marita Sturken "instant history" nennt - also unmittelbare Geschichte, die - mit und durch das Fernsehen - direkt Teil des nationalen und kulturellen Gedächtnisse wurde.
Zahllose Biographien historischer Figuren und Dokumentationen jeglicher Art bringen über den Fernsehbildschirm Millionen von Zuschauern täglich Geschichte nahe und ermöglichen eine Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit.
Neben dem Bereich des Dokumentarischen spielt Fernsehen zudem auch kreativ auf fiktionaler Ebene mit Geschichte, wobei anzumerken ist, dass die Verortung auf dem breiten Spektrum zwischen Fakt und Fiktion zunehmend schwierig wird.
In meinem Beitrag möchte ich anhand populärer Serien-Beispiele aus dem US-amerikanischen Kulturraum zeigen, welchen enormen Einfluss fiktionale Fernsehformate in der Vermittlung von Geschichte haben - ein Aspekt, der in der Medien- und Geschichtsforschung immer noch stark unterrepräsentiert ist.
In einer Genre-übergreifenden US-Serienanalyse beleuchte ich die diachrone Entwicklung durch eine Vielzahl von Genres, die zur Etablierung neuer Arten führte, Geschichte im fiktionalen Fernsehen zu verhandeln - eine Entwicklung, die auch die Veränderung des Geschichts-bewusstseins innerhalb der US-Kultur wiederspiegelt.

Tobias Steiner studierte Amerikanistik (BA) an der Universität Hamburg und Television Studies (MA) am Birkbeck College der University of London. Seit 2013 arbeitet er als Projektkoordinator des Teilprojekts 43 am Universitätskolleg der Universität Hamburg. Sein Promotionsprojekt mit dem Titel „US Television's (Hi)Stories of Transnational Pasts - Serial US TV Drama as Medium of Cultural Memory" wird von Prof. Böger (IAA) und Prof. Weber (IMK) an der Universität Hamburg betreut.